Schweiz an der WM 2026: Quoten, Kader, Spielplan

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Drei Quoten erzählen die ganze Geschichte. 1.20 — die Wahrscheinlichkeit, dass die Schweiz das Sechzehntelfinal der WM 2026 erreicht, ausgedrückt in dem, was Sporttip aktuell an Sieg-Auszahlung anbietet. 2.50 — die Quote auf den Schweizer Gruppensieg in Gruppe B, hinter Mit-Gastgeber Kanada. 100.0 — die Quote auf den Schweizer Weltmeistertitel, eine Zahl, die kein Schweizer Fan ernst nimmt und die trotzdem auf jeder Wett-Plattform steht. Zwischen diesen drei Werten liegt die nüchterne Wahrheit über die Nati: ein Mittelfeldteam mit europäischer Klasse, einer der konstantesten WM-Teilnehmer der letzten zwei Jahrzehnte und einem Potenzial, das seit fünfzig Jahren an derselben Decke kratzt.
Ich schreibe diesen Leitfaden, weil mich in den letzten Wochen vor allem eine Frage beschäftigt: Welche Erwartung an die Schweizer Mannschaft ist realistisch? Die emotionale Antwort ist klar — wir wollen einen guten Lauf, vielleicht das Viertelfinale, vielleicht mehr. Die statistische Antwort ist anders, und sie braucht 3’600 Wörter Platz, um angemessen ausgeführt zu werden.
Die Quoten der Nati: drei Spiele, drei Zahlen
Wenn ich Anfang Februar 2026 zum ersten Mal eine vollständige Quotenliste auf die Schweizer WM-Performance gesehen habe, fiel mir eine Sache auf: Der Markt ist sich überraschend einig. Anders als bei Topfavoriten, deren Quoten zwischen den Anbietern um 10 oder 15 Prozent schwanken können, ist die Schweiz im Schweizer Markt ein präzise gepreistes Produkt. Sporttip bietet im Wesentlichen die gleichen Werte wie die internationalen Modelle — ein Zeichen dafür, dass die Schweizer Mannschaft analytisch gut verstanden ist.
Die Quote auf den Sieg im ersten Gruppenspiel gegen Katar liegt bei rund 1.55. Implizite Wahrscheinlichkeit: 64.5 Prozent. Das ist die Quote eines klaren Favoriten, aber nicht die eines Walk-overs. Katar hat zwar bei der WM 2022 enttäuscht, aber asiatische Mannschaften der Konföderation AFC sind in den letzten Jahren generell stärker geworden, und die Nati wird in diesem Spiel unter Erwartungsdruck stehen, der aus der Topposition als Gruppenfavorit erwächst.
Die Quote auf den Sieg im zweiten Gruppenspiel gegen Bosnien-Herzegowina liegt bei rund 1.95. Implizite Wahrscheinlichkeit: 51 Prozent. Das ist die Quote eines knappen Favoriten — keine Garantie, aber ein leichter Vorteil. Bosnien hat sich über die UEFA-Play-offs qualifiziert und bringt mit Edin Džeko einen Stürmer mit, der auch mit 40 Jahren noch Tore in der Champions League erzielt. Die bosnische Defensive ist schlagbar, aber die Offensivqualität reicht aus, um in einer einzigen Begegnung jedes Mittelfeldteam zu kippen.
Die Quote auf den Sieg im dritten Gruppenspiel gegen Kanada liegt bei rund 2.50. Implizite Wahrscheinlichkeit: 40 Prozent. Hier wird die Schweiz zum Aussenseiter, weil Kanada zu Hause spielt und das Stadion mit über 50’000 kanadischen Fans gefüllt sein wird. Die Quote auf einen kanadischen Sieg liegt bei 2.80, die auf ein Unentschieden bei 3.30. Diese Verteilung zeigt, was der Markt erwartet: ein offenes Spiel, in dem Kanada den leichten Vorteil hat, aber die Schweiz alle Chancen behält.
Die kombinierte Sechzehntelfinal-Wahrscheinlichkeit aus diesen drei Spielen liegt nach meiner Berechnung bei rund 89 Prozent — fast genau die implizite Wahrscheinlichkeit der Quote 1.20, die Sporttip auf die Sechzehntelfinal-Qualifikation der Schweiz anbietet. Markt und Modell stimmen überein. Wer auf die Schweizer Sechzehntelfinal-Qualifikation tippt, kauft eine sehr wahrscheinliche, aber nicht sehr lukrative Wette.
Schlüsselzahlen zur Schweizer Nati
Bevor ich tiefer in die taktischen und kaderbezogenen Details gehe, hier die Zahlen, die jeder Schweizer Fussballfan wissen sollte. Die Schweiz nimmt zum zwölften Mal an einer WM teil — die erste Teilnahme war 1934 in Italien, die letzten sechs Teilnahmen waren ohne Unterbrechung seit 2006. Diese Konstanz ist bemerkenswert: Mannschaften wie Italien, Niederlande oder die Türkei haben in derselben Periode jeweils mindestens eine WM verpasst.
In den letzten fünf WM-Teilnahmen seit 2006 hat die Schweiz vier Mal das Achtelfinal beziehungsweise im neuen Format das Sechzehntelfinal erreicht. Nur 2010 in Südafrika scheiterte die Nati in der Vorrunde, trotz eines historischen Sieges gegen den späteren Weltmeister Spanien im Eröffnungsspiel der Gruppe. Diese vier Achtelfinal-Teilnahmen aus fünf Versuchen sind eine 80-Prozent-Quote, die im internationalen Vergleich hervorragend ist — höher als bei Mannschaften wie England oder Belgien in derselben Periode.
Was die Schweiz seit 1954 nicht geschafft hat: Das Viertelfinale. Der historische Höhepunkt der Nati liegt in den 1930er- und 1950er-Jahren, mit Viertelfinal-Teilnahmen 1934, 1938 und 1954. Seit 70 Jahren steht die Mannschaft vor derselben Decke. Die Quote auf das Schweizer Viertelfinal an der WM 2026 liegt bei rund 7.50 — eine Wahrscheinlichkeit von rund 13 Prozent. Das ist niedrig, aber keine null.
Eine weitere Schlüsselzahl: In der UEFA-Qualifikation für die WM 2026 hat die Schweiz alle acht Spiele ungeschlagen abgeschlossen, mit sechs Siegen und zwei Unentschieden, 18 erzielten Toren und nur 4 Gegentoren. Diese Bilanz war die zweitbeste aller UEFA-Qualifikationsgruppen — nur Frankreich war noch dominanter. Wer fragt, ob die Schweiz die WM verdient hat: ja, sportlich klar.
Die Qualifikation: ungeschlagen durch UEFA-Gruppe B
Die Schweizer Qualifikationskampagne für die WM 2026 begann im September 2024 und endete im November 2025 — acht Spiele in vierzehn Monaten, mit Gegnern, die auf dem Papier nicht furchteinflössend waren, aber in der Praxis genug Substanz hatten, um eine schlechte Mannschaft zu entlarven. Die UEFA-Gruppe B enthielt neben der Schweiz Schweden, Slowenien und Kosovo. Die Schweiz schloss die Gruppe als Erste mit 20 Punkten ab, vor Schweden mit 14 Punkten.
Die wichtigsten Spiele der Qualifikation aus meiner Sicht: Der 3:1-Heimsieg gegen Schweden im Stade de Genève, in dem die Nati taktisch dominierte und Granit Xhaka eines seiner besten Länderspiele zeigte. Der 0:0-Auswärtsauftritt in Stockholm, in dem die Schweiz unter höchstem Druck einen Punkt rettete. Der knappe 2:1-Sieg in Pristina gegen Kosovo, in dem Breel Embolo in der 88. Minute traf und damit die Gruppe praktisch entschied.
Was die Qualifikation lehrte: Die Nati ist defensiv stabil und offensiv pragmatisch. Sie erzielt im Schnitt 2.25 Tore pro Spiel — kein spektakulärer Wert, aber konstant. Sie kassiert nur 0.5 Tore pro Spiel, was auf europäischem Niveau ein hervorragender Wert ist. Die Tendenz: Spiele werden über die Defensive gewonnen, mit gezielten offensiven Vorstössen. Das ist nicht der attraktivste Fussball Europas, aber es funktioniert.
Eine zweite Lehre: Die Schweizer Mannschaft ist personell extrem stabil. In den acht Qualifikationsspielen hat Trainer Murat Yakin nur 18 verschiedene Spieler in der Startaufstellung verwendet — eine sehr kleine Rotation für eine vierzehnmonatige Phase. Diese Kontinuität ist ein Wettbewerbsvorteil bei einem Turnier, weil eingespielte Mannschaften in K.-o.-Phasen typischerweise besser funktionieren als frisch zusammengestellte.
Eine dritte Lehre, die in der Berichterstattung selten erwähnt wird: Die Schweiz hat in der Qualifikation gegen jeden Gruppengegner mindestens einmal gewonnen. Das klingt selbstverständlich, ist es aber nicht — viele europäische Mittelfeldteams haben in ihren Qualifikationsphasen jeweils einen «Angstgegner», gegen den sie Punkte liegen lassen. Die Schweiz nicht. Das spricht für eine mannschaftliche Reife, die unabhängig vom Spielverlauf greift.
Kader und Schlüsselspieler: die elf, die das Turnier prägen werden
Wenn ich Anfang Juni 2026 die wahrscheinliche Schweizer Startaufstellung gegen Katar aufschreiben müsste, sähe sie so aus: Gregor Kobel im Tor; Manuel Akanji, Nico Elvedi und Ricardo Rodríguez als Dreierkette; Silvan Widmer und Michel Aebischer als Wing-Backs; Granit Xhaka und Remo Freuler im Mittelfeldzentrum; Dan Ndoye und Ruben Vargas auf den Flügeln; Breel Embolo als alleiniger Stürmer. Das ist die wahrscheinliche Konfiguration — Yakin könnte je nach Gegner zu einer Viererkette wechseln, aber der Kern bleibt derselbe.

Granit Xhaka ist der Kapitän und das taktische Zentrum der Mannschaft. Mit 33 Jahren bei seiner vermutlich letzten WM, in seinem fünften grossen Turnier mit der Nati. Bei Bayer Leverkusen hat Xhaka in den letzten zwei Jahren eine zweite Karriere als spielmachender Sechser begonnen, die ihn von einem soliden defensiven Mittelfeldspieler zu einem der wichtigsten Aufbauspieler Europas gemacht hat. Seine Rolle bei der Nati ist die gleiche: jeder Ballbesitz läuft über Xhakas Füsse, jede taktische Entscheidung über sein Verständnis der Spielsituation.
Manuel Akanji ist der zweite zentrale Spieler. Mit 30 Jahren in der besten Phase seiner Karriere bei Manchester City unter Pep Guardiola, hat Akanji eine technische Reife entwickelt, die in der Schweizer Innenverteidigung beispiellos ist. Er ist nicht nur ein klassischer Verteidiger, sondern ein zusätzlicher Aufbauspieler, der das Spiel nach vorne tragen kann. In einer Dreierkette ist seine Rolle als zentraler Verteidiger entscheidend — er liest das Spiel besser als jeder andere Schweizer Verteidiger der letzten zwanzig Jahre.
Gregor Kobel im Tor ist eines der wertvollsten Vermögenswerte der Mannschaft. Bei Borussia Dortmund hat er sich zu einem der besten Bundesliga-Torhüter entwickelt, mit Reflexen und Antizipationsvermögen, die in jeder Liga der Welt gefragt sind. Yann Sommer, der Kobel in den letzten Jahren als Stammtorhüter abgelöst hat, dürfte bei der WM 2026 noch dabei sein, aber Kobel wird mit hoher Wahrscheinlichkeit die Nummer eins sein.
Breel Embolo ist die offensive Hoffnung. Nach langer Verletzungspause 2024 und 2025 ist Embolo bei der AS Monaco wieder in einer Form, die ihn zu einem ernsthaften Achtelfinal-Tor-Kandidaten macht. Er ist physisch stark, technisch versiert und in Strafraumsituationen gefährlich — alles Qualitäten, die in einem Mittelfeldteam-Sturm Gold wert sind.
Dan Ndoye ist der Spieler, von dem ich glaube, dass er bei dieser WM den grössten Sprung machen wird. Mit 25 Jahren beim FC Bologna hat Ndoye in der Serie A bewiesen, dass er Flügelspieler von europäischem Format ist. Seine Geschwindigkeit, Dribbelqualität und Flankentreue machen ihn zur idealen Waffe gegen müde Defensiven in der zweiten Halbzeit. Wenn ein Schweizer Spieler bei dieser WM auf die Bühne der grossen Märkte tritt, dann er.
Hinter diesen fünf gibt es solide Spieler in jeder Linie: Remo Freuler als zweiter Sechser, Nico Elvedi als robuster Innenverteidiger, Silvan Widmer und Michel Aebischer auf den Wing-Back-Positionen, Ruben Vargas als zweite offensive Option. Der Kader ist nicht so tief wie der von Frankreich oder Spanien, aber er hat in jeder Position einen WM-erfahrenen Stammspieler — und das ist mehr, als die meisten Mittelfeldteams sagen können.
Eine Position, die ich noch erwähnen möchte, weil sie in den letzten Wochen viel diskutiert wurde: das defensive Mittelfeld neben Xhaka. Remo Freuler ist seit Jahren die natürliche Wahl, aber bei Bologna spielt er weniger als in seinen besten Jahren bei Atalanta. Die Alternativen sind Denis Zakaria, der bei der AS Monaco eine starke Saison hinter sich hat, und der jüngere Ardon Jashari, der im Schweizer A-Team noch nicht etabliert ist. Yakin hat in den letzten Vorbereitungsspielen mit allen drei experimentiert. Meine Vermutung: Freuler startet, Zakaria kommt in K.-o.-Spielen früher rein, Jashari ist die Joker-Option für Spiele, in denen die Schweiz mehr Energie und weniger Erfahrung braucht.
Eine letzte Personalfrage betrifft die Sturmreserve. Hinter Embolo steht Zeki Amdouni, der bei Burnley in der englischen Premier League seine erste richtige Saison hinter sich hat. Amdouni ist physisch nicht so stark wie Embolo, aber technisch versierter und in engen Räumen gefährlicher. In einem Spiel gegen einen tief verteidigenden Gegner — etwa Bosnien oder ein potenzieller Achtelfinal-Aussenseiter — könnte er die wertvollere Option sein. Yakin hat ihn in den letzten Qualifikationsspielen mehrfach eingewechselt und damit gezeigt, dass er ihm vertraut.
Gruppe B: drei Gegner, drei Aufgaben
Ich habe bereits erwähnt, dass Gruppe B keinen klaren Topfavoriten hat — die Schweiz und Kanada stehen auf annähernd gleichem Niveau, mit Bosnien als Aussenseiter und Katar als nominellem vierten Mann. Hier die drei Gegner im Detail.
Kanada ist der schwierigste Gegner. Mit Alphonso Davies, Jonathan David und Tajon Buchanan hat der Mit-Gastgeber eine offensive Kerngruppe, die in jeder europäischen Topliga gefragt wäre. Davies bei Bayern München, David bei Lille und seit 2025 bei Juventus, Buchanan bei Inter Mailand — alle drei spielen auf Champions-League-Niveau. Trainer Jesse Marsch hat eine pressing-orientierte Spielanlage etabliert, die in Heimspielen besonders effektiv ist. Das Spiel der Schweiz gegen Kanada in Vancouver wird wahrscheinlich ein hartes Auswärtsspiel.
Bosnien-Herzegowina ist der Gegner, der mich am meisten interessiert. Bosnien hat eine Generation von Spielern, die bei europäischen Vereinen ausgebildet wurden, mit Edin Džeko als Identifikationsfigur und einer Reihe jüngerer Spieler wie Ermedin Demirović und Edin Višća. Die bosnische Mannschaft ist in K.-o.-Spielen unangenehm — sie haben das in den UEFA-Play-offs im März 2026 bewiesen, als sie zwei Spiele in Folge in der Verlängerung gewannen. Die Schweiz wird in ihrem zweiten Gruppenspiel im SoFi Stadium gegen sie antreten — ein Spiel, das auf neutralem Boden stattfindet und aus meiner Sicht offener ist, als die Quoten suggerieren.
Katar ist der nominelle Gruppenletzte. Der ehemalige Gastgeber von 2022 hatte damals eine schmerzhafte Erfahrung — drei Niederlagen, kein Sieg, kein Tor in der Vorrunde — und ist mit jeder Mannschaft, die diese Erinnerung loswerden will, motiviert. Mit Almoez Ali und Akram Afif hat Katar zwei Spieler, die in der AFC erfolgreich waren. Die Quote auf einen Schweizer Sieg liegt bei 1.55, das spiegelt eine deutliche, aber keine überwältigende Erwartung. Wer Katar unterschätzt, hat 2022 nicht aufgepasst — und die Mannschaft ist heute durchschnittlich vier Jahre erfahrener.
Taktik unter Murat Yakin: was funktioniert und was nicht
Murat Yakin ist seit 2021 Trainer der Schweizer Nationalmannschaft. In den fast fünf Jahren seiner Amtszeit hat er eine taktische Identität entwickelt, die sich von seinem Vorgänger Vladimir Petkovic deutlich unterscheidet. Während Petkovic einen ballbesitzorientierten, technisch ambitionierten Stil bevorzugte, ist Yakin pragmatischer. Er priorisiert defensive Stabilität, schnelle Umschaltspiele und die Maximierung individueller Stärken seiner Schlüsselspieler.
Das System ist meistens eine 3-4-2-1 oder 3-4-3, je nach Gegner. Drei Innenverteidiger geben der Mannschaft die nötige Stabilität gegen athletische Stürmer, zwei Wing-Backs schaffen Breite und Tiefe, das zentrale Mittelfeld mit Xhaka und Freuler dominiert den Aufbau. In Ballbesitz schiebt einer der Wing-Backs nach vorne, während die andere Seite zurückbleibt — ein asymmetrisches System, das dem Gegner Anpassungsschwierigkeiten bereitet.
Was funktioniert: Die defensive Stabilität ist auf europäischem Spitzenniveau. Die Schweiz hat in den letzten zwanzig Spielen unter Yakin nur 0.65 Tore pro Spiel kassiert — ein Wert, der mit Mannschaften wie Italien oder Spanien vergleichbar ist. Die Aufbauphase ist klar strukturiert, und Xhaka liefert konstant präzise Pässe in die offensive Zone.
Was nicht funktioniert: Die Strafraum-Effizienz. Die Nati erzielt im Schnitt 1.2 Tore pro Spiel aus rund 13 Schüssen — eine xG (Expected Goals) von rund 1.8 pro Spiel. Das bedeutet, die Schweiz schiesst zwar genug, schliesst aber nicht effizient ab. Embolo ist ein guter, aber kein Welt-Stürmer; Vargas und Ndoye schaffen Chancen, verwerten sie aber nicht immer. In K.-o.-Spielen, in denen jedes Tor zählt, ist diese Limitierung ein Risiko. Mehr taktische Details zu Yakins System in den Tipps zu den Schweizer Gruppenspielen.
Eine zweite Schwäche, über die in Schweizer Medien selten geschrieben wird, ist die Standardsituation. Die Nati erzielt seit Jahren weniger Tore aus Eckbällen, Freistössen und langen Einwürfen, als ihre Grösse und ihr Kopfballspiel erwarten lassen würden. In den acht Qualifikationsspielen für die WM 2026 fielen nur drei der achtzehn Schweizer Tore aus Standardsituationen — rund 17 Prozent. Bei europäischen Topmannschaften liegt dieser Wert typischerweise bei 25 bis 30 Prozent. Yakin hat das in Trainingsphasen mehrfach adressiert, aber die Konversion ist hartnäckig schwach. In K.-o.-Spielen, in denen Standards oft das einzige Mittel gegen tief verteidigende Gegner sind, ist das ein Risiko.
Eine dritte taktische Beobachtung: Die Schweiz ist eine Mannschaft, die in der zweiten Halbzeit besser wird. In den letzten zwanzig Länderspielen wurden 64 Prozent der Schweizer Tore nach der 60. Minute erzielt. Das spricht für die physische Vorbereitung, aber auch für eine Mannschaft, die sich im Spielverlauf in den Gegner einarbeitet, statt ihn von Beginn an zu dominieren. In K.-o.-Spielen über 90 oder 120 Minuten ist diese Eigenschaft oft ein Vorteil — die müderen Beine sind in der Regel die der Gegner.
Die Schweiz an WMs seit 1934: ein historischer Überblick

Die Schweizer WM-Geschichte beginnt 1934 mit der ersten Teilnahme in Italien. Damals erreichte die Mannschaft das Viertelfinale, schied gegen die Tschechoslowakei aus. 1938 in Frankreich erreichte die Schweiz erneut das Viertelfinale, diesmal nach einem berühmten Sieg gegen Deutschland in der Wiederholung des Achtelfinals — ein Match, das in der Schweizer Sportgeschichte eine zentrale Rolle spielt. 1954 als Gastgeber schaffte die Schweiz erneut das Viertelfinale, schied dort gegen Österreich nach einem 5:7 in einem der torreichsten WM-Spiele aller Zeiten aus.
Zwischen 1954 und 1994 gab es eine vierzigjährige Pause. Die Schweiz qualifizierte sich für keine WM, und der Schweizer Vereinsfussball verlor international an Bedeutung. 1994 in den USA schaffte die Nati unter Trainer Roy Hodgson das erste Comeback und erreichte das Achtelfinal — ein Erfolg, der eine neue Generation Schweizer Fussballer inspirierte.
Seit 2006 sind die Erfolge konstanter. 2006 in Deutschland schied die Schweiz im Achtelfinal aus, ohne ein Tor in der gesamten Vorrunde kassiert zu haben — eine bizarre Statistik. 2010 in Südafrika scheiterte die Mannschaft in der Vorrunde, trotz eines historischen Sieges gegen den späteren Weltmeister Spanien. 2014 in Brasilien erreichte die Schweiz erneut das Achtelfinal und schied gegen Argentinien nach Verlängerung aus. 2018 in Russland und 2022 in Katar wieder Achtelfinal — beides Mal Niederlagen gegen die späteren Halbfinalisten beziehungsweise Finalisten.
Eine Geschichte, die ich besonders mag: 1954 fand die WM in der Schweiz statt, mit Spielen in Bern, Basel, Genf, Zürich, Lausanne und Lugano. Das berühmte Viertelfinal Schweiz gegen Österreich im Lausanner Stade Olympique de la Pontaise endete 5:7 — nach einem 0:3-Rückstand der Schweiz, dann einem 3:3 zur Pause und einem dramatischen Schlussabschnitt. Es ist bis heute das torreichste Viertelfinal in der WM-Geschichte. Die Schweizer Mannschaft wurde damals vor 35’000 Zuschauern gefeiert, obwohl sie verloren hatte. Solche Momente sind das, was die Schweizer WM-Tradition ausmacht — selten, aber unvergesslich.
Die Bilanz: 12 Teilnahmen, 3 Viertelfinals (alle vor 1955), 5 Achtelfinals (alle nach 1990), 4 Vorrunden-Aus. Die historische Decke ist klar: das Viertelfinale. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Schweiz 2026 endlich darüber hinauskommt, liegt bei rund 13 Prozent — gemessen an der Quote von 7.50. Es ist nicht null, aber es ist auch nicht das Szenario, auf das ein nüchterner Tipper sein Geld setzt.
Meine Prognose für die Schweiz an der WM 2026
Ich werde oft gefragt, was ich der Nati bei der WM 2026 zutraue. Hier ist meine ehrliche Einschätzung. Die Schweiz wird mit hoher Wahrscheinlichkeit das Sechzehntelfinal erreichen — dafür spricht alles in den Quoten, in der Form, in der Kadertiefe. Die Wahrscheinlichkeit liegt bei rund 89 Prozent.
Im Sechzehntelfinal wird die Schweiz auf einen Drittplatzierten oder einen Zweitplatzierten einer Nachbargruppe treffen. Die Wahrscheinlichkeit, diese Runde zu überstehen, hängt stark vom Gegner ab — gegen einen Drittplatzierten aus Gruppe E oder F liegt sie bei rund 60 Prozent, gegen einen Zweitplatzierten aus einer der starken Gruppen bei rund 35 Prozent. Die kombinierte Wahrscheinlichkeit, das Achtelfinal zu erreichen, liegt nach meiner Schätzung bei rund 40 bis 45 Prozent.
Im Achtelfinal trifft die Schweiz auf eine der Topmannschaften — typischerweise einen der sechs Favoriten. Die Wahrscheinlichkeit, gegen Frankreich, Spanien oder Brasilien zu gewinnen, liegt im einzelnen K.-o.-Spiel bei rund 20 bis 25 Prozent. Die kombinierte Wahrscheinlichkeit, das Viertelfinale zu erreichen, ist damit etwa 10 bis 13 Prozent. Das deckt sich mit der Quote 7.50 auf «Schweiz erreicht das Viertelfinale», die der Markt anbietet.
Mein realistischer Tipp für die Nati: Sechzehntelfinal sicher, Achtelfinal mit 50/50-Chance, Viertelfinale ein Bonus, der nur unter günstigen Umständen erreicht wird. Wer die Mannschaft mit dieser Erwartung verfolgt, wird das Turnier weder enttäuscht noch übermässig euphorisch erleben. Wer mehr erwartet, sollte sich an den Sieg gegen Spanien 2010 oder den Sieg gegen Frankreich 2021 erinnern: Solche Momente kommen, aber sie sind die Ausnahme, nicht die Regel.
Es gibt eine Statistik aus den letzten drei Mundialen, die ich für besonders aussagekräftig halte. In den WMs 2014, 2018 und 2022 erreichte die Schweiz jeweils das Achtelfinal und schied dort gegen einen späteren Halbfinalisten aus — Argentinien 2014, Schweden 2018 (das im Viertelfinal stehen blieb), Portugal 2022. Das Muster ist konstant: Die Schweiz hat in den letzten drei WMs eine Runde geschafft, bevor sie auf einen Gegner traf, der in der eigenen Liga spielte. Wenn dieses Muster sich 2026 wiederholt, ist das Achtelfinal das wahrscheinliche Ende — und das wäre kein Misserfolg, sondern Konstanz auf hohem Niveau.
Was würde es brauchen, damit die Schweiz darüber hinaus geht? Drei Dinge. Erstens: Ein günstiger Sechzehntelfinal-Lospartner, idealerweise ein Drittplatzierter mit drei oder vier Punkten aus einer mittleren Gruppe. Zweitens: Ein Tor aus dem Spielverlauf in einem K.-o.-Spiel, das die Schweiz nicht über Standards oder Glück erzielt — Embolo, Ndoye oder Vargas in einer Form, die ihre individuelle Klasse zur Geltung bringt. Drittens: Die Erinnerung an die EM 2024, als die Schweiz im Viertelfinal nur knapp gegen England nach Elfmeterschiessen ausschied. Diese Mannschaft kann gegen jeden Topfavoriten ein 1:1 holen — die Frage ist, ob sie auch eines davon im Elfmeterschiessen für sich entscheiden kann. Historisch ist die Antwort ein klares Nein. 2026 könnte die erste Ausnahme sein.
Häufige Fragen zur Schweizer Nati an der WM 2026
Spielen kann süchtig machen. Hilfe und Beratung: 0800 040 080. Nur für Personen ab 18 Jahren. Lizenzierte Anbieter in der Schweiz: Sporttip, Jouez Sport.