WM-2026-Quoten im Vergleich: Sieger, Gruppen, Spezialwetten

Ladevorgang...
Frankreich steht bei 6.50, Spanien bei 7.00, England bei 8.00 — und die Schweiz bei 151.00. Drei kleine Zahlen, eine grosse — und schon ist die WM-2026-Hierarchie aus Sicht der Wettmärkte fast vollständig erzählt. Mein Job als Analyst beginnt dort, wo der oberflächliche Blick auf diese Zahlen aufhört: bei der Frage, was eine Quote eigentlich aussagt, wo die Marge des Buchmachers steckt und welche WM-2026-Quoten wirklich Information liefern statt nur Stimmung.
Dieser Beitrag ist ein nüchterner Quoten-Vergleich für die Fussball-Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Mexiko und Kanada. Ich nehme die Sieger-Quoten der sechzehn meistgehandelten Nationen, die Gruppensieg-Quoten aller zwölf Vorrundengruppen, die wichtigsten Torschützenkönig-Quoten und die Schweizer Sondermärkte unter die Lupe. Alle Zahlen verstehe ich als Marktstimmung zum Zeitpunkt des Schreibens, nicht als Versprechen — Quoten verschieben sich täglich, und genau das ist Teil der Information, die in ihnen steckt.
Was Sie hier nicht bekommen: ein «Top-3-Tipp-des-Monats», Sterne-Bewertungen oder die Behauptung, ein Anbieter sei objektiv besser als ein anderer. Was Sie bekommen: Methode, Marge, Kontext. In der Schweiz dürfen Sie WM-Wetten ausschliesslich bei Sporttip von Swisslos und in der Romandie bei Jouez Sport von Loterie Romande platzieren. Alles andere ist gemäss Geldspielgesetz nicht zugelassen, und Werbung dafür ist verboten. Diese Spielregel ist die Bühne, auf der dieser Vergleich stattfindet.
Wie ich Quoten lese und warum die Marge das Erste ist, worauf ich schaue
Ein Bekannter sagte mir kürzlich, eine Quote von 2.00 bedeute «fünfzig Prozent Wahrscheinlichkeit, dass etwas eintritt». Das ist die häufigste Fehlannahme im Wettkontext, und sie kostet Geld. Die richtige Übersetzung lautet: 2.00 entspricht einer impliziten Wahrscheinlichkeit von rund 50 Prozent — abzüglich der Marge des Anbieters. Genau hier beginnt die Methodik dieses Vergleichs.
Ich rechne jede Dezimalquote zunächst in ihre implizite Wahrscheinlichkeit zurück. Die Formel ist einfach: 1 geteilt durch die Quote. Eine Quote von 2.00 entspricht einer impliziten Wahrscheinlichkeit von 0.50 oder 50 Prozent. Eine Quote von 4.00 entspricht 0.25 oder 25 Prozent. Eine Quote von 151.00 für die Schweiz auf den Titel entspricht rund 0.66 Prozent. Bis hierher rechnet jede Schulklasse mit.
Die Pointe folgt im zweiten Schritt. Wenn ich die impliziten Wahrscheinlichkeiten aller möglichen Ergebnisse eines Marktes addiere, kommt nicht 100 Prozent heraus, sondern mehr. Bei einem klassischen 1X2-Markt auf ein einzelnes Spiel sind es typischerweise 105 bis 108 Prozent. Diese Differenz zu 100 ist die Buchmacher-Marge. Sie ist die Bezahlung des Anbieters für sein Geschäftsmodell, vergleichbar mit der Spanne zwischen Kauf- und Verkaufskurs an der Börse. Bei langfristigen Outright-Märkten wie «WM-Sieger 2026» ist die Marge deutlich höher: hier sehe ich regelmässig Werte zwischen 115 und 125 Prozent.
Warum ist das wichtig? Weil zwei Quoten von 6.50 nicht zwingend dasselbe bedeuten. Wenn Anbieter A in einem Markt mit 118 Prozent Gesamtmarge eine 6.50 anbietet und Anbieter B im selben Markt mit 122 Prozent ebenfalls eine 6.50, dann ist die Quote bei A objektiv besser — denn ein grösserer Teil der Quote ist «echte» Wahrscheinlichkeit, ein kleinerer Teil ist Aufschlag des Hauses. Diesen Mechanismus erkläre ich in jedem Quotenvergleich, weil er der Kern jeder ernsthaften Analyse ist.
Für diesen Beitrag habe ich die Quotenlandschaft so erfasst, wie sie sich aktuell darstellt: Vorrunde komplett ausgelost, Endspiel am 19. Juli 2026 im MetLife Stadium in East Rutherford, zwölf Gruppen zu je vier Mannschaften, 104 Spiele in 39 Tagen. Alle Zahlen in diesem Text sind Stand März 2026, also rund zweieinhalb Monate vor Anpfiff. Bewegliche Faktoren wie Verletzungen, Formkurven der Vorbereitungsspiele oder spätere Kaderausschlüsse wirken sich danach noch erheblich aus, vor allem auf die Top-10-Quoten.
Ein letzter methodischer Punkt: Ich runde Quoten auf zwei Nachkommastellen, weil das die Form ist, in der sie in der Schweiz üblicherweise angezeigt werden. Implizite Wahrscheinlichkeiten gebe ich auf eine Nachkommastelle gerundet aus, das genügt für jeden Vergleich auf Augenhöhe. Wer mit drei oder vier Stellen rechnet, gewinnt Präzision, verliert aber Lesbarkeit — und für die Entscheidungsfindung des typischen Schweizer Tippers ist die zweite Nachkommastelle der relevante Bereich. Wenn ich Bewegung in einem Markt beobachte, notiere ich Eröffnungs- und aktuelle Quote nebeneinander, weil die Differenz oft mehr aussagt als der absolute Wert.
Sieger-Quoten der Top 16: wer in der Wettbörse als WM-Anwärter zählt
Es gibt eine Faustregel unter Sportanalysten, die mir 2018 ein älterer Kollege mitgab: Wer bei einer WM Weltmeister werden will, braucht eine Sieger-Quote unter 15.00 zum Turnierbeginn. Ich habe diese Regel gegen die letzten sieben Mundiale geprüft. Sie hält. Jeder Weltmeister seit 1998 startete mit einer einstelligen oder maximal niedrig zweistelligen Sieger-Quote ins Turnier. Die WM 2026 testet diese Faustregel mit einem Feld, das in der Spitze enger ist als bei jedem Turnier davor.
An der Spitze der aktuellen Sieger-Quoten steht Frankreich. Mit einer Dezimalquote von 6.50 entspricht das einer impliziten Wahrscheinlichkeit von 15.4 Prozent — abzüglich Marge real eher zwölf bis dreizehn. Frankreich profitiert von einer doppelten Erzählung: erstens vom Kader um Kylian Mbappé, der seit Jahren als der beste Einzelspieler der Welt gehandelt wird, zweitens vom Trainer Didier Deschamps, der die einzige Konstante in einer Mannschaft ist, die seit 2018 Final, Halbfinal und Final erreicht hat. Das ist die effizienteste Ergebniskurve aller Topnationen der letzten acht Jahre.
Auf Rang zwei steht Spanien mit einer Quote zwischen 7.00 und 7.50, je nach Anbieter. Spanien führt seit dem EM-Triumph 2024 die meisten objektiven Ranglisten an, hat im Sommer 2025 die Nations League gewonnen und stellt mit Lamine Yamal, Pedri und Rodri ein Mittelfeld, das sowohl Tempo als auch Kontrolle bietet. Die Mehrheit der Modelle sieht Spanien sogar leicht vor Frankreich. Dass die Wettmärkte trotzdem Frankreich oben halten, liegt am Heimvorteil, der für Spanien bei einer USA-WM null beträgt, sowie an der Tatsache, dass Spanien in Nordamerika nie ein grosses Turnier gespielt hat. Die letzte Spanien-Reise zu einem amerikanischen Sommer endete 1994 im Viertelfinale.
Auf Platz drei und vier folgen England und Brasilien mit Quoten zwischen 7.50 und 8.50. England ist die fragilste der Top-4-Geschichten: ein Kader voller Premier-League-Stars, ein Trainer in Thomas Tuchel, der seit Anfang 2025 das Amt innehat, und eine kollektive Erinnerung an drei Endspielniederlagen in Folge bei grossen Turnieren. Brasilien wiederum kommt mit einer Quote von rund 8.00 ins Turnier und steht unter dem grössten Erwartungsdruck seit 2014. Carlo Ancelotti hat das Trainermandat im Sommer 2024 übernommen und damit eine taktische Disziplin in eine Mannschaft gebracht, die zuvor zwischen Stars und Struktur schwankte.
Argentinien als Titelverteidiger steht bei rund 9.00. Das ist die niedrigste Sieger-Quote, die ein amtierender Weltmeister in den letzten zwanzig Jahren zum nächsten Turnier hatte — und gleichzeitig die höchste, die er je verdient hat. Lionel Messi wird beim Anpfiff 38 Jahre alt sein, und auch wenn die Erzählung um seinen letzten Tanz die Märkte beschäftigt, rechnen die Modelle ihn bei einer USA-WM nicht mehr als statistischen Faktor wie 2022 ein. Argentinien lebt von seinem Mittelfeld, von Rodrigo De Paul, von Alexis Mac Allister, und davon, dass der Trainer Lionel Scaloni eine ähnlich konstante Hand führt wie Deschamps in Frankreich.
Auf den Plätzen sechs bis zehn finden sich Deutschland (12.00), Portugal (13.00), Niederlande (15.00), Belgien (21.00) und Italien — Moment: Italien fehlt. Die Squadra Azzurra hat sich nicht qualifiziert, ein Detail, das für einen Vergleich der Sieger-Quoten relevant ist, weil es die Konzentration des Marktes auf die verbleibenden Topnationen erhöht. Deutschland mit Quote 12.00 ist der spannendste Fall der zweiten Reihe: ein junger Kader um Florian Wirtz und Jamal Musiala, ein Trainer in Julian Nagelsmann, der nach der Heim-EM 2024 viel Vertrauen hat, und eine Bilanz an grossen Turnieren in den letzten zehn Jahren, die das Wort «Fluch» nahelegt.
Die Plätze elf bis sechzehn sind das, was ich die «Mittelschicht der Träume» nenne: Uruguay (26.00), Marokko (34.00), Kolumbien (41.00), Kroatien (51.00), Schweiz (151.00) und Mexiko (51.00) als Co-Gastgeber. Marokkos Quote ist nach dem Halbfinaleinzug 2022 deutlich niedriger als sie es in einem klassischen Quotenkalkül wäre — der Markt erinnert sich. Mexikos Quote ist niedriger, als sportliche Form sie rechtfertigen würde, weil der Heimvorteil und das Eröffnungsspiel im Aztekenstadion Geld auf das Team ziehen. Beides sind Beispiele dafür, wie Quoten nicht nur Form abbilden, sondern Erwartungserzählungen.
Eine Beobachtung zum Schluss dieses Abschnitts: Die kumulierte implizite Wahrscheinlichkeit der Top 16 liegt bei rund 95 Prozent. Das bedeutet, der Markt traut nur etwa fünf Prozent Restwahrscheinlichkeit irgendeiner der übrigen 32 Mannschaften zu — was in einem 48er-Feld auffallend gering ist und zeigt, wie hierarchisch die Wettbörsen Fussball-Weltmeisterschaften lesen.
Gruppensieg-Quoten: wo der Markt klare Hierarchien sieht und wo nicht
Wenn ein Bekannter mich fragt, welche WM-Vorhersage am schwierigsten sei, antworte ich nicht «der Sieger». Ich antworte «die Gruppe». Eine Vorrundengruppe besteht aus drei Spielen pro Team, also rund 270 Minuten Fussball. Auf dieser kurzen Strecke entscheiden Tagesform, Schiedsrichterentscheidungen und ein einzelnes Standardtor öfter über Platzierungen, als langfristige Qualität es zulässt. Genau deshalb sind Gruppensieg-Quoten so interessant: sie verraten, wo der Markt einen klaren Favoriten sieht und wo er resigniert hat.
Beginnen wir mit den eindeutigen Fällen. In Gruppe C ist Brasilien mit einer Gruppensieg-Quote von rund 1.30 unangefochten — der Markt taxiert die Wahrscheinlichkeit auf etwa 75 Prozent. Marokko, Schottland und Haiti sind die Begleiter, und keiner hat eine Gruppensieg-Quote unter 5.00. Ähnlich klar liegt Gruppe I, wo Frankreich bei rund 1.40 steht und damit als ähnlich klarer Favorit gilt. In Gruppe H ist Spanien bei 1.35 unangefochten, in Gruppe L England bei 1.45. Vier Gruppen, vier klare Hierarchien — und diese vier Gruppen sind genau die, in denen die geringsten Überraschungen zu erwarten sind.
Spannender wird es in den Gruppen mit zwei Anwärtern. Gruppe E wäre ein Beispiel: Deutschland steht bei rund 1.55 auf den Gruppensieg, die Côte d’Ivoire als zweitstärkste Nation der Gruppe bei rund 4.50, Ecuador bei 6.00, Curaçao bei 51.00. Das ist keine offene Gruppe — Deutschland ist klarer Favorit — aber die Quotenstruktur lässt zu, dass die Zweitplatzierung umkämpft ist, und das beeinflusst über die Drittplatzierten-Regel den weiteren Turnierverlauf.
Drei Gruppen verdienen besondere Aufmerksamkeit, weil sie der Markt als wirklich offen einstuft. In Gruppe F treffen die Niederlande, Japan, Tunesien und Schweden aufeinander. Die Niederlande sind mit einer Gruppensieg-Quote von rund 1.85 leichter Favorit, Japan steht bei rund 3.50, Schweden bei 4.50, Tunesien bei 9.00. Das ist die mit Abstand engste Quotenstruktur aller zwölf Vorrundengruppen. In Gruppe G sind Belgien (1.75) und der ewige Geheimtipp Iran (5.00) die beiden einzigen Mannschaften unter Quote 7.00. In Gruppe J ist Argentinien (1.45) zwar Favorit, aber Algerien und Österreich liegen mit 4.50 und 5.00 in einem Bereich, in dem ein einziger Patzer der Albiceleste das Bild kippen kann.
Und dann ist da Gruppe B. Die Gruppe der Schweiz. Mit Kanada, Katar und Bosnien-Herzegowina als Mitkonkurrenten. Die Quoten auf den Gruppensieg sehen aktuell so aus: Kanada bei rund 2.10, Schweiz bei rund 2.50, Bosnien-Herzegowina bei 6.00, Katar bei 13.00. Das ist eine Quotenstruktur, in der Kanada wegen des Heimvorteils — beide Heimspiele in Vancouver und Toronto, dazu der Status als Co-Gastgeber — vor der Nati liegt, obwohl die sportliche Bilanz unter Murat Yakin die andere Reihenfolge nahelegen würde. Diese Asymmetrie zwischen Marktwahrnehmung und sportlicher Form ist genau der Bereich, in dem Wett-Information entsteht. Mehr dazu im Abschnitt über die Schweizer Quoten weiter unten.
Eine letzte Beobachtung: Gruppensieg-Quoten haben in der Regel eine niedrigere Marge als Sieger-Quoten — typischerweise 108 bis 112 Prozent statt 115 bis 125. Der Grund liegt in der höheren Liquidität: weil Vorrundengruppen kurz vor Turnierbeginn intensiv getippt werden, gleichen sich die Quoten zwischen Anbietern stärker an, und der Spielraum für überhöhte Margen schrumpft. Wer Wert auf marktnahe Quoten legt, findet ihn eher in Gruppensieg-Märkten als in langfristigen Outrights.
Torschützenkönig: warum die Quoten lügen, ohne zu lügen
An jedem grossen Turnier passiert dasselbe: Die Sieger-Quoten der Stürmer auf den Goldenen Schuh erzählen eine Geschichte, die im Schnitt der letzten vier WMs falsch war. Der Torschützenkönig der WM 2022 war Kylian Mbappé mit acht Treffern, und seine Eröffnungsquote stand bei rund 12.00. Der Torschützenkönig der WM 2018 war Harry Kane mit sechs Treffern, Eröffnungsquote rund 17.00. Der Torschützenkönig der WM 2014 war James Rodríguez mit sechs Treffern, Eröffnungsquote rund 41.00. In zwei von drei Fällen lag der Sieger ausserhalb der Top-3 des Marktes.
Warum? Weil der Markt für Torschützenkönig-Quoten zwei Faktoren systematisch überschätzt und zwei systematisch unterschätzt. Überschätzt werden erstens die Stars der grössten Nationen, weil ihre Marken Geld auf sich ziehen, das mit der reinen Wahrscheinlichkeit nichts zu tun hat. Und überschätzt wird zweitens die Annahme, dass ein Topstürmer auch viele Spiele bekommt — dabei hängt die Anzahl Spiele direkt vom Turniererfolg seines Teams ab. Unterschätzt werden im Gegenzug Stürmer aus Mannschaften der zweiten Reihe, die weit kommen können, sowie Mittelfeldspieler, die Standards schiessen.
Aktuell führt Kylian Mbappé die Torschützenkönig-Quoten mit rund 7.00 an. Auf den Plätzen folgen Erling Haaland (8.50), Harry Kane (10.00), Lamine Yamal (12.00), Vinícius Júnior (13.00) und Lautaro Martínez (15.00). Auffällig ist Haaland, dessen Quote so niedrig ist, weil er bei Manchester City eine Trefferquote produziert, die im Vereinsfussball historisch herausragend ist. Norwegen spielt in Gruppe I gegen Frankreich, Senegal und den Sieger des Play-offs 2 — eine Konstellation, in der Haaland nur dann auf hohe Spielzahlen kommt, wenn Norwegen die K.-o.-Phase erreicht. Das ist plausibel, aber nicht garantiert. Bei einem Vorrundenaus wären drei Spiele die Obergrenze.
Die Asymmetrie wird deutlicher, wenn ich Mbappés Quote von 7.00 mit der eines vergleichbaren Stürmers in einer schwächeren Gruppe vergleiche. Marokkos Stürmer Youssef En-Nesyri liegt aktuell bei rund 41.00. Marokko spielt in Gruppe C gegen Brasilien, Schottland und Haiti — wenn Marokko Zweiter wird, hat En-Nesyri statistisch dieselben Spielminuten wie Mbappé, aber eine sechsmal höhere Quote. Das ist der Bereich, in dem ein langfristig orientierter Tipper Wert findet, ohne dass er ein «Geheimtipp» sein muss.
Eine zweite Markteigenschaft des Torschützenkönig-Marktes ist die hohe Marge. Sie liegt typischerweise zwischen 130 und 145 Prozent. Anders gesagt: Wenn Sie die impliziten Wahrscheinlichkeiten aller im Markt geführten Spieler addieren, kommen Sie bei rund 140 Prozent heraus. Das ist die höchste Marge, die ein Wettmarkt im Fussball regulär hat — höher als WM-Sieger, höher als Gruppensieg, höher als 1X2. Der Grund ist die enorme Anzahl an möglichen Ergebnissen: theoretisch könnte jeder der rund 1100 Turnierteilnehmer Torschützenkönig werden, praktisch werden 60 bis 80 von Anbietern geführt. Diese Spreizung lässt sich nur über eine hohe Aufschlagsmarge bezahlen.
Wer in diesem Markt rational tippen will, sucht nicht nach dem wahrscheinlichsten Sieger — den preist der Markt zu eng — sondern nach Spielern, deren persönliche Trefferquote im Verhältnis zur erwarteten Spielzeit ihres Teams überdurchschnittlich gut bezahlt wird. Das ist Bankroll-Mathematik, nicht Patriotismus.
Schweiz-Quoten im Detail: was die Märkte der Nati 2026 zutrauen
Die Schweizer Nationalmannschaft hat die Qualifikation für die WM 2026 ungeschlagen abgeschlossen. Sechs Spiele in der UEFA-Gruppe B, vier Siege, zwei Unentschieden, acht Punkte Vorsprung auf Slowenien. Wenn ich diesen Verlauf in einer Quotensprache zusammenfassen müsste, dann so: Die Nati ist ein zuverlässiger Teilnehmer eines globalen Turniers, dem die Wettmärkte trotzdem nur sehr begrenzte Sieger-Ambitionen zubilligen. Die Sieger-Quote von 151.00 ist die Übersetzung dieses Spannungsverhältnisses in eine Zahl.
Auf den Gruppensieg in Gruppe B steht die Schweiz aktuell bei rund 2.50, was einer impliziten Wahrscheinlichkeit von rund 40 Prozent entspricht. Kanada ist mit 2.10 Favorit — und das ist die einzige Quote, an der sich Schweizer Fans inhaltlich reiben können. Sportlich spricht vieles für die Nati: bessere Qualifikation, höher eingestufter Kader, mehr Erfahrung an grossen Turnieren, ein erfahrener Trainer in Murat Yakin, der die Mannschaft seit 2021 führt. Dagegen sprechen: zwei Heimspiele für Kanada (gegen Bosnien in Toronto, gegen die Schweiz in Vancouver), die Atmosphäre, der zeitliche Vorteil ohne Reise. Heimvorteil ist in der Quotenlogik regelmässig 0.30 bis 0.50 Tore wert — und das reicht, um die Reihenfolge zu drehen.
Auf den Achtelfinaleinzug, also das Erreichen der Round of 32, steht die Schweiz bei rund 1.30. Das entspricht einer impliziten Wahrscheinlichkeit von rund 77 Prozent. Diese Quote spiegelt zwei Dinge wider: erstens die historische Bilanz der Nati, die in fünf der letzten sechs WM-Teilnahmen die K.-o.-Phase erreicht hat, zweitens die strukturelle Erleichterung des neuen Modus mit Sechzehntelfinal, in dem aus jeder Gruppe die ersten beiden plus die acht besten Drittplatzierten weiterkommen — also 32 von 48 Mannschaften, ein Anteil von zwei Dritteln.
Auf den Viertelfinaleinzug steht die Nati bei rund 4.50, auf den Halbfinaleinzug bei rund 17.00, auf den Finaleinzug bei rund 51.00. Der Halbfinal wäre der Aufstieg in Regionen, die die Schweiz bei einer WM noch nie erreicht hat — historisch ist der Viertelfinal das Maximum, zuletzt 1954, davor 1934 und 1938. Wer auf den Halbfinaleinzug der Nati setzt, kauft also nicht nur eine sportliche Wette, sondern wettet gegen 92 Jahre Vereinsgeschichte.
Spannender als die K.-o.-Quoten finde ich zwei Sondermärkte. Erstens: «Schweiz beendet die Vorrunde mit mehr als vier Punkten» steht bei rund 2.00. Zweitens: «Schweiz erzielt in jedem Vorrundenspiel mindestens ein Tor» steht bei rund 3.50. Beide Märkte sind aussagekräftiger als reine Sieger-Wetten, weil sie die strukturelle Stärke der Nati abbilden — eine ausgewogene Mannschaft, die selten klar verliert, selten zu null spielt und selten ohne Tor bleibt — ohne Wunder zu verlangen.
Zur Person Yakin: Der ehemalige Innenverteidiger hat als Trainer eine WM 2022 mit Achtelfinaleinzug, eine EM 2024 mit Viertelfinaleinzug und nun eine ungeschlagene WM-Qualifikation 2026 hinter sich. Das ist die mit Abstand erfolgreichste durchgehende Trainerphase eines Schweizer Bundestrainers in den letzten dreissig Jahren. Wenn ich die Sieger-Quote von 151.00 mit dieser Bilanz vergleiche, sehe ich eine Marktstruktur, die Schweizer Fussball weiter als «soliden Aussenseiter ohne Spitzenpotenzial» einpreist — was statistisch nicht falsch ist, aber näher an der Realität liegt als manche Diskussion in den heimischen Sportstudios suggeriert.
Wer Schweizer Quoten vergleichen will, findet die offiziellen Notierungen ausschliesslich bei Sporttip von Swisslos in der Deutschschweiz und im Tessin. Das ist nicht meine Empfehlung, sondern die rechtliche Lage gemäss Geldspielgesetz. Eine vertiefte Einordnung der Nati-Quoten finden Sie in meinem Wett-Leitfaden zur WM 2026, in dem ich auch die Marktmechanik der Schweiz-spezifischen Sondermärkte erkläre.
Was Sie aus diesen Zahlen mitnehmen sollten
Quoten sind kein Orakel. Sie sind das aggregierte Ergebnis einer Mischung aus Wahrscheinlichkeitsmodellen, Wettvolumen und der Marge, mit der der Anbieter sein Risiko absichert. Wer sie liest wie eine Wettervorhersage, missversteht ihre Funktion. Wer sie liest wie ein Aktienkurs — als Marktstimmung mit Tendenz, nicht als Wahrheit — versteht das Spiel.
Die WM 2026 ist aus Quotensicht ein Turnier ohne klaren Topfavoriten, mit einer eng zusammengerückten Spitze von vier bis sechs Mannschaften, einer etwas grösseren zweiten Reihe und einer langen Liste von Aussenseitern, die der Markt mit nahezu null Sieger-Wahrscheinlichkeit einpreist. Für die Schweiz bedeutet das: Die Nati ist einer dieser Aussenseiter — solide, ungefährlich für die Topnationen, aber respektiert in der eigenen Gruppe. Kanada steht vor ihr im Quotenranking, nicht weil Kanada besser Fussball spielt, sondern weil die Spiele im eigenen Land stattfinden.
Wenn ich Sie zu drei Dingen ermutigen möchte, dann zu diesen: Rechnen Sie jede Quote in eine Wahrscheinlichkeit um, bevor Sie tippen. Vergleichen Sie die Marge zwischen Märkten, nicht nur die nominale Quote. Und behalten Sie den Überblick darüber, wie viel Geld Sie in welchem Zeitraum einsetzen — denn Quotenanalyse ohne Bankroll-Disziplin ist Statistik im luftleeren Raum.