Die 12 Gruppen der WM 2026: Auslosung, Quoten, Prognosen

Ladevorgang...
Stellen Sie sich vor, Sie sitzen am 5. Dezember 2025 in einem überfüllten Wohnzimmer in Bern, mit drei Bekannten und einem Laptop, der die Live-Übertragung der WM-Auslosung aus Las Vegas zeigt. Als die Schweiz aus dem Lostopf 2 in Gruppe B fällt, atmet der Raum hörbar aus — keine Frankreich, keine Spanien, keine Brasilien. Als zwei Töpfe später Bosnien-Herzegowina dazukommt, wird der Atem länger. Die WM 2026 ist die erste Weltmeisterschaft mit 48 Teams in 12 Gruppen, und sie hat die Auslosung in eine eigene Form von Drama verwandelt. In den nächsten 4’500 Wörtern gehe ich jede dieser zwölf Gruppen durch — mit dem Quoten-Markt, den Wahrscheinlichkeiten und der Frage, welche dieser Gruppen wirklich eine «Todesgruppe» ist.
Mein Ansatz: Ich beginne mit dem neuen Modus, der die Gruppen 2026 anders macht als 2022. Dann folgt die Übersicht aller zwölf, dann die Schweizer Gruppe B im Detail, dann die Vergleichsanalyse «schwer» gegen «leicht» und schliesslich die Mathematik der besten Drittplatzierten.
Modus 2026: warum die Gruppen anders funktionieren als früher
Es gibt einen häufigen Irrtum, dem ich in Gesprächen über die WM 2026 immer wieder begegne. «Es ist wie 1994, nur mit mehr Teams.» Das stimmt nicht. 1994 spielten 24 Teams in sechs Vierergruppen, und der Modus war eine Krücke: Die zwei besten jeder Gruppe plus die vier besten Dritten kamen in den Achtelfinal. Das war eine Notlösung, die statistisch problematisch war, weil sie Teams belohnte, die sich gegenseitig schlugen, und Mannschaften benachteiligte, die in stärkeren Gruppen einfach Pech hatten.
Die WM 2026 macht es anders. 48 Teams werden in 12 Vierergruppen verteilt. Aus jeder Gruppe kommen die besten zwei plus die acht besten Drittplatzierten weiter — insgesamt 32 Mannschaften. Sie spielen ein Sechzehntelfinal, also die «Round of 32», die in dieser Form bei einer WM noch nie gespielt wurde. Erst danach folgen Achtelfinal, Viertelfinal, Halbfinal und Finale. Insgesamt 104 Spiele in 39 Tagen, gegenüber 64 Spielen in 28 Tagen bei der WM 2022.
Die FIFA hat sich mit dieser Struktur lange beschäftigt. Eine frühere Version sah vor, 16 Dreiergruppen zu spielen, was logistisch einfacher gewesen wäre, aber mehrere offensichtliche Schwächen hatte: Mit nur zwei Gruppenspielen pro Mannschaft wäre die Gefahr von Absprachen im letzten Spiel deutlich grösser gewesen — eine Situation, die im Profifussball als «Schande von Gijón» bekannt ist, nach dem berüchtigten Spiel zwischen Westdeutschland und Österreich 1982. Nach dem Weltmeistertitel 2022 in Katar entschied die FIFA, von der Dreiergruppen-Idee abzurücken und stattdessen das Format mit zwölf Vierergruppen zu wählen. Diese Entscheidung ist im Nachhinein offensichtlich richtig gewesen.
Was bedeutet das für die Gruppen? Drei Dinge. Erstens: Der Druck in der Vorrunde ist geringer als bei einer 32er-WM, weil zwei Drittel der Mannschaften weiterkommen. Eine einzelne Niederlage ist nicht mehr katastrophal. Zweitens: Die acht besten Dritten werden über alle zwölf Gruppen hinweg gerankt, was bedeutet, dass die Stärke der Gruppe direkt darüber entscheidet, ob ein Drittplatzierter weiterkommt oder nicht. Drittens: Der neue Sechzehntelfinal addiert eine zusätzliche K.-o.-Runde, in der Favoriten früh auf Aussenseiter treffen können — eine Konstellation, die theoretisch das Risiko von Überraschungen erhöht.
Aus Wett-Sicht hat das eine konkrete Konsequenz: Quoten auf «Erreicht den Sechzehntelfinal» sind für viele Mittelfeld- und Aussenseiter-Mannschaften deutlich attraktiver geworden, weil die Hürde niedriger liegt. Wer früher beim 32er-Format auf Switzerland erreicht den Achtelfinal mit Quote 1.65 wettete, wettet heute beim 48er-Format auf Switzerland erreicht den Sechzehntelfinal mit Quote 1.30 oder besser. Die Mathematik des Tippens hat sich strukturell geändert — und nicht jeder hat das verinnerlicht.
Es gibt noch eine vierte Konsequenz, die in der allgemeinen Berichterstattung kaum diskutiert wird. Mit 12 Gruppen statt 8 ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine bestimmte Mannschaft auf einen bestimmten Topfavoriten in der Vorrunde trifft, deutlich geringer geworden. Die Schweiz hatte im 32er-Format eine 25-Prozent-Chance, in einer Gruppe mit Frankreich, Spanien, Brasilien oder Argentinien zu landen. Im 48er-Format liegt diese Wahrscheinlichkeit bei rund 18 Prozent. Das ist eine spürbare strukturelle Erleichterung für Mittelfeldteams — sie treffen seltener auf die ganz Grossen, bevor das K.-o.-Stadium beginnt.
Die Kehrseite: Wenn ein Mittelfeldteam wie die Schweiz das Sechzehntelfinal erreicht, ist die Wahrscheinlichkeit, dort sofort auf einen Topfavoriten zu treffen, höher als im alten Format. Wo früher der Achtelfinal das erste echte K.-o.-Spiel war, ist es jetzt das Sechzehntelfinal — eine Runde früher. Wer die Quoten auf «Erreicht das Achtelfinal» tippt, sollte das im Hinterkopf behalten: Das Sechzehntelfinal-Match ist die zusätzliche Hürde, die das alte Format nicht hatte.
Alle zwölf Gruppen in der Übersicht
Bevor ich in die Details der einzelnen Gruppen gehe, brauche ich eine kompakte Übersicht. Hier ist sie, sortiert nach Buchstabe und mit dem jeweiligen Topfavoriten am Anfang jeder Zeile.
Gruppe A: Mexiko, Tschechien, Südkorea, Südafrika. Gruppe B: Schweiz, Kanada, Bosnien-Herzegowina, Katar. Gruppe C: Brasilien, Marokko, Schottland, Haiti. Gruppe D: USA, Türkei, Paraguay, Australien. Gruppe E: Deutschland, Côte d’Ivoire, Ecuador, Curaçao. Gruppe F: Niederlande, Japan, Schweden, Tunesien. Gruppe G: Belgien, Iran, Ägypten, Neuseeland. Gruppe H: Spanien, Uruguay, Saudi-Arabien, Cabo Verde. Gruppe I: Frankreich, Norwegen, Senegal, Play-off-2-Sieger. Gruppe J: Argentinien, Österreich, Algerien, Play-off-1-Sieger. Gruppe K: Kolumbien, Usbekistan, Jordanien, UEFA-Play-off-C-Sieger. Gruppe L: England, Ghana, Panama, UEFA-Play-off-D-Sieger.
Wenn man diese Liste mit den Sieger-Quoten der einzelnen Mannschaften überlagert, ergibt sich ein interessantes Muster: Die Gruppen A, B, D, E und K enthalten jeweils nur einen Topfavoriten (also eine Mannschaft mit Sieger-Quote unter 30.0) und drei deutlich schwächere Teams. Die Gruppen F, G, H und L enthalten je zwei oder mehr Mannschaften mit Quoten unter 30.0. Die Gruppen C, I und J haben jeweils einen klaren Topfavoriten plus eine starke Nummer zwei. Diese Struktur ist nicht zufällig — sie ist das Ergebnis der gesetzten Lostöpfe — aber sie erzeugt deutliche Niveauunterschiede.
Die Quoten auf Gruppensieg illustrieren das. In Gruppe A ist Mexiko mit Quote 1.40 der mit Abstand klare Favorit. In Gruppe F dagegen liegen die Niederlande mit 1.95 nur knapp vor Japan mit 3.20 und Schweden mit 4.50. Solche Differenzen sind die Grundlage jeder Gruppenanalyse: Wer auf einen Gruppensieg tippen will, sollte Gruppen mit klarer Hierarchie meiden (die Quote ist zu niedrig, der Wert zu klein) und Gruppen mit ausgeglichener Spitze suchen (höhere Quoten, mehr Gestaltungsraum).
Eine kurze Tour durch die zwölf Gruppen, mit jeweils einem Satz zur Charakterisierung. Gruppe A ist Mexikos Heimspiel — der Mit-Gastgeber spielt das Eröffnungsspiel im Estadio Azteca und wird von rund 87’000 mexikanischen Fans getragen, was die Quote auf den Gruppensieg auf 1.40 drückt. Gruppe B ist die Schweizer Gruppe und die einzige, in der zwei Mannschaften (Schweiz und Kanada) auf annähernd gleichem Niveau stehen, ohne dass eine klar dominiert. Gruppe C ist die Bühne für die Seleção, mit Brasilien als Favorit und Marokko als der gefährlichste Achtelfinalist von 2022 als Nummer zwei. Gruppe D wird vom Mit-Gastgeber USA dominiert, mit der Türkei nach starkem EM-Auftritt 2024 als ernsthaftem zweiten Pol.
Gruppe E hat mit Deutschland einen klassischen europäischen Topfavoriten, der gegen drei deutlich schwächere Mannschaften antritt — Côte d’Ivoire, Ecuador, Curaçao. Gruppe F ist die ausgeglichenste Gruppe der gesamten WM, mit den Niederlanden, Japan, Schweden und Tunesien, die alle ein realistisches Achtelfinal-Ziel haben. Gruppe G hat Belgien als Favoriten, dahinter Iran, Ägypten und Neuseeland — eine asymmetrische Konstellation. Gruppe H ist Spaniens Gruppe mit Uruguay als spürbarem Risiko. Gruppe I ist die Frankreich-Gruppe mit Norwegen und Haaland als schärfstem Konkurrent der gesamten Vorrunde. Gruppe J ist die Heimat des Titelverteidigers Argentinien, mit Österreich als europäischem Vertreter. Gruppe K wird von Kolumbien angeführt, in einer Gruppe ohne andere europäische oder südamerikanische Mannschaften. Gruppe L ist Englands Gruppe mit Ghana, Panama und einem Play-off-Sieger.
Gruppe B im Detail: die Schweizer Perspektive
Hier wird es persönlich. Gruppe B ist die Heimgruppe der Nati und das einzige Tableau, in dem ich die Quoten in mehreren Spielen schon halbwegs gut auswendig kenne. Die Schweiz wurde am 5. Dezember 2025 in Las Vegas mit Kanada, Bosnien-Herzegowina und Katar gelost. Drei Mannschaften, drei sehr unterschiedliche Risikoprofile.

Beginnen wir mit Kanada. Der Mit-Gastgeber spielt in der Gruppe einen Heimvorteil aus, der schwerer zu quantifizieren ist, als viele denken. Kanadas drittes Gruppenspiel ist gegen die Schweiz, und es findet im BC Place in Vancouver statt. Heimstadion, vermutlich ausverkauft, vermutlich mit 50’000 Kanadiern auf den Rängen. Mit Alphonso Davies, Jonathan David und Tajon Buchanan hat Kanada eine offensive Achse, die bei jeder europäischen Mittelfeldmannschaft Furcht auslöst. Die Quote auf den Gruppensieg Kanadas liegt bei rund 2.20 — niedriger, als das rein sportliche Niveau es rechtfertigen würde, eben wegen des Heimvorteils.
Die Schweiz steht in den Quoten knapp dahinter. Gruppensieg Schweiz wird mit rund 2.40 bis 2.60 gehandelt. Die Nati hat unter Murat Yakin eine UEFA-Qualifikation ohne Niederlage gespielt und ist die am höchsten bewertete europäische Mannschaft in der Gruppe. Die Achse Akanji-Xhaka-Embolo-Ndoye ist erfahren und in jedem Schweizer Verein der A-Nationalmannschaft etabliert. Mit Gregor Kobel hat die Schweiz einen der besten Torhüter Europas. Die Quoten auf «Erreicht den Sechzehntelfinal» liegen bei rund 1.20 — ein deutliches Vertrauen des Marktes.
Bosnien-Herzegowina ist der überraschendste Gegner in der Gruppe. Bosnien hat sich über das UEFA-Play-off A qualifiziert, in einer dramatischen Serie von Spielen, die im März 2026 stattfanden. Mit Edin Džeko, Miralem Pjanić (sofern er noch dabei ist) und einer jüngeren Generation um Ermedin Demirović hat Bosnien eine offensive Klasse, die in einer Mittelfeldgruppe zum Faktor werden kann. Die Quote auf den bosnischen Gruppensieg liegt bei rund 8.0 — Aussenseiter, aber kein Statist.
Katar ist der nominelle vierte Mann der Gruppe. Der ehemalige Gastgeber von 2022 hatte damals eine schwierige WM (drei Niederlagen, kein Sieg, kein Tor in der Vorrunde) und steht 2026 unter dem Druck, das zu korrigieren. Mit Almoez Ali und Akram Afif hat Katar zwei AFC-erfahrene Stürmer, aber die Tiefe des Kaders ist limitiert. Quote auf Gruppensieg: rund 12.0. Quote auf Gruppenletzter: rund 1.40.
Der Schweizer Spielplan in Gruppe B: am Samstag, 13. Juni, gegen Katar im Levi’s Stadium in Santa Clara, Anstoss 21:00 CEST. Am Donnerstag, 18. Juni, gegen Bosnien-Herzegowina im SoFi Stadium in Inglewood, ebenfalls 21:00 CEST. Am Mittwoch, 24. Juni, gegen Kanada im BC Place in Vancouver, wieder 21:00 CEST. Drei Spiele, drei Stadien, eine Westküstenroute mit relativ mildem Klima. Mehr Details zur Schweizer Mannschaft in der Übersicht zur Nati.
Aus Wettsicht ist Gruppe B faszinierend, weil es keinen klaren Topfavoriten gibt, sondern zwei Mannschaften (Schweiz und Kanada) auf annähernd gleichem Niveau, gefolgt von zwei deutlich schwächeren. Die Wahrscheinlichkeit, dass Schweiz und Kanada gemeinsam die Plätze eins und zwei belegen, liegt bei rund 55 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit, dass Bosnien einen der ersten beiden Plätze schnappt, bei rund 25 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit, dass Katar das tut, bei nur 5 Prozent.
Eine subtilere Beobachtung zur Schweizer Gruppe: Die Reihenfolge der Spiele ist taktisch bedeutsam. Das erste Spiel gegen Katar ist auf dem Papier das einfachste — eine reale Erwartung von etwa 70 Prozent Sieg-Wahrscheinlichkeit. Hier muss die Schweiz drei Punkte holen, ohne wichtige Spieler zu verschleissen. Das zweite Spiel gegen Bosnien ist das sportlich anspruchsvollste der ersten beiden Begegnungen — Bosnien hat in den UEFA-Play-offs gezeigt, dass sie in K.-o.-Momenten zu den effektivsten Underdogs Europas gehören. Ein Unentschieden im SoFi Stadium wäre kein Drama. Das dritte Spiel gegen Kanada ist das, was Spieltheoretiker einen «Showdown» nennen — beide Mannschaften haben dann höchstwahrscheinlich vier oder sechs Punkte und kämpfen um den Gruppensieg. Wer den ersten Platz holt, vermeidet im Sechzehntelfinal mit hoher Wahrscheinlichkeit den Topfavoriten der Nachbargruppe.
Diese Reihenfolge ist für Wett-Tipper wichtig, weil sie die Quoten auf die einzelnen Spiele unterschiedlich kalibriert. Katar gegen Schweiz wird als reiner Favoritensieg gehandelt, mit Quote 1.50 bis 1.65 auf den Schweizer Erfolg. Schweiz gegen Bosnien ist enger, mit Quote 1.85 bis 2.10. Schweiz gegen Kanada wird je nach Konstellation zwischen 2.20 und 2.60 für die Schweiz angeboten. Die kumulierte Quote auf «Schweiz gewinnt alle drei» liegt bei rund 6.5 — eine theoretisch attraktive Wette, in der Praxis aber selten erfolgreich.
Die «Todesgruppen» 2026: F, H und I im Vergleich

Es gibt eine Tradition im Fussballjournalismus, jede WM-Auslosung sofort mit dem Etikett «Todesgruppe» zu versehen. Die meisten dieser Etiketten halten der nüchternen Analyse nicht stand. Aber 2026 gibt es drei Gruppen, in denen das Wort tatsächlich gerechtfertigt ist — und sie sind nicht die, die man auf den ersten Blick erwarten würde.
Gruppe F mit Niederlande, Japan, Schweden und Tunesien ist die ausgeglichenste Gruppe der gesamten WM 2026. Niederlande als Topfavorit hat eine Sieger-Quote von rund 16.0 und eine Gruppensieg-Quote von 1.95 — die höchste Gruppensieg-Quote eines Topfavoriten in der gesamten WM. Japan ist eine der besten asiatischen Mannschaften aller Zeiten, mit einer Generation um Takefusa Kubo, Wataru Endo und Kaoru Mitoma, die in europäischen Topligen spielt. Schweden ist nach langer Pause zurück und hat mit Alexander Isak und Viktor Gyökeres zwei Stürmer, die in jeder Phase des Turniers gefährlich werden können. Tunesien ist die nominelle Nummer vier, aber mit einer der besten afrikanischen Defensiven der letzten Jahre. In dieser Gruppe ist jedes Spiel offen. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Niederlande tatsächlich Erste werden, liegt bei nur rund 51 Prozent — niedrig für einen sogenannten Topfavoriten.
Gruppe H mit Spanien, Uruguay, Saudi-Arabien und Cabo Verde wirkt auf den ersten Blick weniger ausgeglichen — Spanien ist klar der Topfavorit mit Sieger-Quote 6.5 und Gruppensieg-Quote 1.50. Aber dahinter wartet Uruguay, eine Mannschaft, die unter Bielsa zu einer der gefährlichsten Aussenseiter-Konstellationen Südamerikas geworden ist. Saudi-Arabien hat 2022 Argentinien geschlagen und ist nicht mehr der naive Aussenseiter, der es vor sechs Jahren war. Cabo Verde ist Erstteilnehmer, aber mit einem Kader, der überwiegend in der portugiesischen Primeira Liga spielt — kein Statistenteam. Spanien wird sehr wahrscheinlich Erster, aber der zweite Platz ist hart umkämpft, und ein Stolperer Spaniens gegen Uruguay würde die Gruppe völlig kippen.
Gruppe I mit Frankreich, Norwegen, Senegal und dem Sieger des Play-offs 2 ist die dritte Todesgruppe. Frankreich hat Sieger-Quote 6.5 und ist der Topfavorit der ganzen WM. Norwegen, wieder dabei nach 28 Jahren, bringt Erling Haaland mit — den vielleicht besten Stürmer der Welt. Senegal hat mit Sadio Mané eine offensive Identität und ist defensiv stabil. Die Aufgabe für Frankreich ist, in dieser Gruppe nicht zu stolpern, ohne wichtige Spieler vorzeitig zu verschleissen. Die Wahrscheinlichkeit, dass Frankreich Erster wird, liegt bei rund 65 Prozent — niedriger als bei jedem anderen Topfavoriten ausser den Niederlanden.
Was diese drei Gruppen verbindet: In jeder gibt es mindestens drei Mannschaften, die theoretisch das Achtelfinal erreichen können. Das macht sie aus Wett-Sicht spannend, weil die Margen auf «Erreicht das Sechzehntelfinal» hier deutlich niedriger sind als in Gruppen mit klarer Hierarchie. Wer einen klaren Tipp hat, findet in F, H oder I den besten Wert.
Eine zusätzliche Beobachtung zu Gruppe F: Die Reihenfolge der Spiele wird hier vermutlich einen entscheidenden Einfluss auf die Tabelle haben. Wenn die Niederlande im ersten Spiel auf Japan treffen und stolpern, ist die ganze Gruppe offen — und das ist genau die Konstellation, die Sporttip aktuell mit Quote 3.80 auf «Japan gewinnt das Eröffnungsspiel der Gruppe F» anbietet. Eine Wette mit asymmetrischem Risiko, weil ein einzelner japanischer Sieg die Quoten auf den Gesamtsieg der Gruppe komplett neu ordnen würde. Solche Konstellationen sind selten, und wer sie identifiziert, hat oft den besten Wert der ganzen Vorrunde.
In Gruppe I lohnt es sich, einen besonderen Blick auf das Duell Frankreich gegen Norwegen zu werfen. Das ist potenziell das beste Gruppenspiel der gesamten WM 2026 — Mbappé gegen Haaland, Saliba gegen Haaland, Maignan gegen Haaland. Die Quote auf den norwegischen Sieg in diesem Direktduell liegt bei rund 4.50 — niedriger, als man bei einem Underdog gegen den Topfavoriten erwarten würde, weil der Markt Haaland eine reale Chance einräumt, das Spiel allein zu entscheiden.
Die schwächsten Gruppen nach kumulierter Quote
Wenn es Todesgruppen gibt, gibt es auch das Gegenteil — Gruppen, in denen ein klarer Topfavorit auf drei deutlich schwächere Mannschaften trifft, mit minimaler Spannung um den ersten Platz. Diese Gruppen sind aus journalistischer Sicht weniger interessant, aus Wett-Sicht aber ein wichtiges Nebenthema, weil sie die natürlichen Quellen für «sichere» Tipps bieten — und damit auch die niedrigsten Margen.
Die statistisch schwächste Gruppe ist Gruppe E: Deutschland, Côte d’Ivoire, Ecuador, Curaçao. Die kumulierte Sieger-Quote der vier Mannschaften (also die Summe ihrer einzelnen Quoten) liegt bei rund 1’710 — einer der höchsten Werte aller zwölf Gruppen. Deutschland ist mit Quote 12.0 zwar kein Top-Favorit, aber in der Gruppe trotzdem die deutlich beste Mannschaft. Côte d’Ivoire und Ecuador sind solide Mittelfeldteams, Curaçao der mit Abstand schwächste Erstteilnehmer der ganzen WM. Die Quote auf den deutschen Gruppensieg liegt bei rund 1.55.
Gruppe A mit Mexiko, Tschechien, Südkorea und Südafrika ist die zweitschwächste. Mexiko ist Mit-Gastgeber und profitiert deutlich vom Heimvorteil. Mexikos Quote auf Gruppensieg liegt bei 1.40 — eine der niedrigsten der ganzen WM. Tschechien und Südkorea sind solide europäische und asiatische Mannschaften, Südafrika der nominelle vierte Mann. Die Wahrscheinlichkeit, dass Mexiko Erster wird, liegt bei rund 71 Prozent.
Was Gruppe A weniger einseitig macht, als die Quoten suggerieren, ist Südkorea. Die Tae-Geuk Warriors haben unter der jüngsten Generation um Son Heung-min und Kim Min-jae eine taktische Reife entwickelt, die in der AFC-Qualifikation deutlich wurde. Die Quote auf den koreanischen Sechzehntelfinal-Einzug liegt bei rund 1.55, die auf den Gruppensieg bei rund 5.50. Tschechien ist die nominelle europäische Hoffnung mit Patrick Schick als Schlüsselspieler — eine Mannschaft, die in Vorrunden traditionell zäh ist und in K.-o.-Phasen Schwierigkeiten hat.
Gruppe K hat eine Besonderheit, die ich für unterschätzt halte: Mit Kolumbien, Usbekistan, Jordanien und einem UEFA-Play-off-C-Sieger ist es die einzige Gruppe der WM 2026 ohne eine zweite südamerikanische oder etablierte europäische Mannschaft. Kolumbiens Weg in den Sechzehntelfinal ist auf dem Papier so einfach, wie er für eine südamerikanische Topmannschaft nur sein kann. Die Quote auf Kolumbiens Gruppensieg liegt bei 1.55, auf das Erreichen des Achtelfinals bei rund 1.20 — extrem niedrig. Wer Kolumbien tippt, kauft Sicherheit, nicht Wert.
Gruppe K mit Kolumbien, Usbekistan, Jordanien und einem UEFA-Play-off-C-Sieger ist die dritte Gruppe in dieser Kategorie. Kolumbien ist der klare Favorit mit Quote 1.55 auf den Gruppensieg. Die anderen drei Mannschaften sind alle erstmals oder zum zweiten Mal bei einer WM dabei und haben begrenzte Erfahrung auf diesem Niveau.
Was diese drei Gruppen verbindet: Die «sichere» Wette auf den Topfavoriten hat hier ein gutes Risiko-Profil, aber wegen der niedrigen Quote keinen grossen Wert. Wer in solchen Gruppen tippen will, sollte sich auf Spezialmärkte wie «Über/Unter Tore», «Beide treffen» oder «Exakter Punktestand» konzentrieren, weil die 1X2-Quoten zu niedrig sind, um interessant zu sein.
Wer kommt weiter? Die Mathematik der besten Drittplatzierten
Die wahrscheinlich meistdiskutierte Regelung der WM 2026 ist die der besten acht Drittplatzierten. Das Format ist neu — bei einer 48er-WM hat es nie zuvor stattgefunden — und es hat eine spezifische Mathematik, die ich für die spannendste Frage des ganzen Turniers halte.
Die Regel ist einfach: Aus jeder der zwölf Gruppen kommen die ersten zwei direkt in den Sechzehntelfinal. Die zwölf Drittplatzierten werden anschliessend nach Punkten, Tordifferenz und erzielten Toren in einer einzigen Tabelle gerankt. Die acht besten Drittplatzierten dieser Rangliste qualifizieren sich ebenfalls für den Sechzehntelfinal. Die vier schwächsten Drittplatzierten scheiden aus.
Die mathematische Konsequenz ist subtil. Ein Drittplatzierter mit vier Punkten (also einem Sieg, einem Unentschieden und einer Niederlage) wird fast immer weiterkommen — historisch reichten in vergleichbaren Konstellationen vier Punkte zu 100 Prozent. Ein Drittplatzierter mit drei Punkten (ein Sieg, zwei Niederlagen) ist auf der Kippe — typischerweise reichen drei Punkte in fünf von acht Fällen. Ein Drittplatzierter mit zwei Punkten (zwei Unentschieden, eine Niederlage) hat sehr wenig Chancen — historisch reichten zwei Punkte in nur einem von vier Fällen.
Für die Schweiz bedeutet das konkret: Wenn die Nati am Ende der Gruppenphase Dritter mit drei Punkten ist, hat sie eine Wahrscheinlichkeit von rund 60 bis 65 Prozent, weiterzukommen. Mit vier Punkten praktisch garantiert. Mit zwei Punkten sehr unwahrscheinlich. Diese Mathematik sollte jeder kennen, der auf die Schweizer Sechzehntelfinal-Qualifikation tippt.
Eine zweite mathematische Konsequenz: Die Stärke der Gruppe spielt eine grössere Rolle, als man auf den ersten Blick denkt. Ein Drittplatzierter aus einer Todesgruppe (zum Beispiel Gruppe F oder I) hat oft mehr Punkte als ein Zweitplatzierter aus einer schwachen Gruppe — einfach weil die Konkurrenz härter war. Die FIFA hat das in ihrer Wertungssystematik berücksichtigt: Punkte zählen am meisten, dann Tordifferenz, dann Tore. Aber die Tendenz, dass starke Gruppen mehr Drittplatzierte ins Sechzehntelfinal bringen, bleibt.
Aus Wettsicht ergeben sich daraus interessante Märkte. Sporttip bietet eine Wette auf «Welche Gruppen liefern beide Drittplatzierten ins Sechzehntelfinal» — eine seltene und nischige Wette, die aber für Tipper mit einem klaren Modell durchaus Wert haben kann. Ich tippe persönlich auf die Gruppen F, I und J als wahrscheinlichste Lieferanten von Drittplatzierten ins Sechzehntelfinal.
Eine letzte mathematische Beobachtung, die für Schweizer Tipper relevant ist: Die Schweiz wird in den allermeisten Modellen als ein Team eingeschätzt, das die Gruppenphase auf Platz eins oder zwei beendet — die kombinierte Wahrscheinlichkeit für diese beiden Plätze liegt bei rund 75 bis 80 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Schweiz als Drittplatzierte ins Sechzehntelfinal einzieht, ist mit rund 12 bis 15 Prozent klein, aber nicht null. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Schweiz Vierte wird und damit ausscheidet, liegt bei rund 7 Prozent — historisch ein sehr seltenes Ereignis für die Nati seit 2006.
Wer ein Modell für die Schweizer Quoten bauen will, kann die folgenden Eckwerte verwenden: Gruppensieg rund 35 Prozent, Platz zwei rund 42 Prozent, Platz drei mit Weiterkommen rund 12 Prozent, Platz drei ohne Weiterkommen rund 4 Prozent, Platz vier rund 7 Prozent. Aufaddiert ergibt das eine Sechzehntelfinal-Wahrscheinlichkeit von rund 89 Prozent — fast genau die implizite Wahrscheinlichkeit der Quote 1.20, die Sporttip aktuell auf «Schweiz erreicht das Sechzehntelfinal» anbietet. Der Markt und die Modelle stimmen hier weitgehend überein; es gibt keinen offensichtlichen Wert.
Wo es Wert geben könnte: in den feineren Märkten. Sporttip bietet eine Wette darauf an, dass die Schweiz das Sechzehntelfinal erreicht ohne eine Niederlage in der Vorrunde — eine Quote von rund 3.20. Implizite Wahrscheinlichkeit: 31 Prozent. Die Modelle sehen die Wahrscheinlichkeit dafür eher bei 35 bis 38 Prozent, was diese Wette zu einem klassischen Value-Pick macht. Solche feinen Differenzen sind das, was den Unterschied zwischen einer guten und einer mittelmässigen WM-Wettstrategie ausmacht.
Häufige Fragen zu den Gruppen der WM 2026
Was die Gruppen der WM 2026 wirklich bedeuten
Wenn ich einen einzigen Satz über die zwölf Gruppen der WM 2026 sagen müsste, wäre es dieser: Die Erweiterung auf 48 Teams hat die Vorrunde nicht entwertet, sondern sie umstrukturiert. Es gibt jetzt mehr Gruppen mit mittlerer Spannung und weniger mit extrem hoher oder extrem niedriger Spannung. Die klassische «Todesgruppe» wie Argentinien-Niederlande-Saudi-Arabien-Mexiko 2022 ist seltener geworden, dafür gibt es mehr Vierergruppen, in denen drei Mannschaften realistische Chancen auf den Sechzehntelfinal haben. Das macht die WM für Casual-Zuschauer leichter zu verfolgen und für Wett-Tipper anspruchsvoller zu modellieren.
Wer sich tiefer mit einzelnen Gruppen beschäftigen will, findet in der Detailseite zur Schweizer Gruppe die ausführlichste Analyse — mit Match-für-Match-Vorschauen, Quoten und einer eigenen Wahrscheinlichkeitstabelle für die Schweizer Wege ins Sechzehntelfinal. Die Erfahrung aus drei vorherigen Mundialen sagt: Die Gruppen sind selten so vorhersehbar, wie sie aussehen. Wer das im Kopf behält, ist für die WM 2026 gut gerüstet. Mehr zum vollständigen Spielplan der Vorrunde.
Spielen kann süchtig machen. Hilfe und Beratung: 0800 040 080. Nur für Personen ab 18 Jahren. Lizenzierte Anbieter in der Schweiz: Sporttip, Jouez Sport.