Belgien an der WM 2026: Rote Teufel in Gruppe G

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Es gibt ein Wort, das den belgischen Fussball seit 2018 begleitet wie ein Schatten: verspielt. Verspielt die Generation Hazard, Kompany, De Bruyne. Verspielt die Quoten, die einst bei 7.00 lagen. Verspielt der Halbfinal von 2018 in Sankt Petersburg, der vorerst der Höhepunkt einer ganzen Generation bleibt. 2026 startet Belgien in Gruppe G mit Quote 23.00 auf den Titel und einer Mannschaft, die zwischen Generationenwechsel und Restbeständen einer goldenen Zeit pendelt.
Ich beobachte die Roten Teufel seit der WM 2014, und ich erkenne klar: Diese WM ist weder Übergang noch Aufbruch. Sie ist die Zwischenperiode, in der Kevin De Bruyne ein letztes Mal als Kapitän eine Mannschaft führt, die zur Hälfte aus seinen alten Weggefährten besteht und zur anderen Hälfte aus Spielern, die ihn vor zehn Jahren am Fernseher gesehen haben. Wer in dieser Konstellation Wunder erwartet, irrt. Wer einen soliden Achtelfinal- oder Viertelfinal-Auftritt sieht, liegt richtig.
Eine Quote, die sehr viel über den Markt verrät
Im November 2025 rief mich ein Leser an und fragte: warum 23.00 auf Belgien, wenn die Quoten 2018 noch bei 12.00 lagen, mit derselben Achse aus De Bruyne und Lukaku? Ich antwortete mit einer Gegenfrage: Wer steht heute in der Innenverteidigung? Schweigen am anderen Ende. Genau das ist die Antwort.
Auf Sporttip steht Belgien mit Quote 23.00 auf den Titel, Quote 1.55 auf den Sechzehntelfinal-Einzug und Quote 1.80 auf den Gruppensieg in Gruppe G. Das sind Zahlen, die die Mannschaft als klaren Gruppenfavoriten ausweisen, aber als Aussenseiter im Titelrennen. Die Halbfinal-Quote liegt bei 9.00, die Viertelfinal-Quote bei 4.50.
Ich vergleiche das mit den Quoten von 2018: Damals lag Belgien bei 12.00 auf den Titel, gleichauf mit Spanien und Deutschland. Heute liegen Spanien bei 6.50 und Deutschland bei 12.00, Belgien bei 23.00. Der Markt hat in sieben Jahren die belgische Wahrscheinlichkeit auf einen WM-Titel halbiert. Das ist keine Stimmung, das ist mathematische Bewertung von Kaderbreite, Defensivqualität und Trainerstabilität — drei Bereiche, in denen Belgien deutlich abgebaut hat.
Schlüsselzahlen, die den Generationenwechsel sichtbar machen
Die belgische Quali für die WM 2026 lief solide, aber nicht spektakulär. Sechs Siege, ein Unentschieden, eine Niederlage gegen Frankreich. Tordifferenz plus elf, davon allein fünf Treffer von Romelu Lukaku. Das ist ein erstes wichtiges Detail: Lukaku ist mit dreiunddreissig Jahren weiterhin der mit Abstand produktivste Stürmer. Er trägt die Offensive in einem Mass, das in einem Topteam alarmierend wäre.
Zweite Zahl: Das Durchschnittsalter der Stammelf liegt bei knapp über neunundzwanzig Jahren. Damit gehört Belgien zu den vier ältesten Mannschaften des Turniers, gleichauf mit Argentinien und Uruguay. Drittens: De Bruyne wird im Juni 2026 fünfunddreissig sein, Vertonghen und Witsel waren noch in der Quali im Aufgebot, beide jenseits der fünfunddreissig.
Vierte Zahl: In den letzten zehn Pflichtspielen vor der WM hat Belgien nur zwei Mal zu null gespielt. Die Defensive ist die Achillesferse. Die Innenverteidiger Wout Faes und Zeno Debast sind solide Bundesliga- und Premier-League-Niveau, aber kein Vergleich zu Vincent Kompany in seinen besten Jahren. Genau dieser Bereich entscheidet über das Erreichen des Viertelfinals.
Gruppe G ist der weichste Auftakt im Lostopf
Als die Auslosung am 5. Dezember 2025 Belgien in Gruppe G mit Iran, Neuseeland und Ägypten verband, sahen viele eine geschenkte Vorrunde. Ich teile diese Einschätzung mit einer Einschränkung: Gruppe G ist die freundlichste der zwölf Vierergruppen, aber sie hat genau einen Gegner, der Belgien Probleme bereiten kann.
Iran ist dieser Gegner. Die Mannschaft von Carlos Queiroz oder seines Nachfolgers — der Trainerposten wechselte im Herbst 2025 mehrfach — ist defensiv extrem diszipliniert, kontert über Mehdi Taremi und Sardar Azmoun, und hat in der AFC-Quali eine plus-zwanzig-Tordifferenz erspielt. Auf Sporttip notiert Iran mit Quote 4.00 auf den Gruppensieg, was den klaren Abstand zu Belgien zeigt, aber auch die realistische Chance auf einen Punkt im Direktduell.
Ägypten ist die Mohamed-Salah-Show. Wenn Salah mit dreiunddreissig Jahren das Turnier mit der Form spielt, die er in Liverpool zeigt, kann Ägypten Belgien einen schwierigen Abend bereiten. Wenn nicht, ist die Qualität deutlich begrenzt. Neuseeland ist klassische Aussenseiterware aus der OFC, die auf ein Unentschieden hofft und mit jeder Niederlage besser leben kann als die anderen.
Aus belgischer Sicht ist das die Konstellation, in der ein souveräner Gruppensieg mit neun Punkten realistisch ist. Aus meiner Sicht ist das die Gruppe, die wenig über die wahre Form der Mannschaft aussagen wird, weil die echten Tests erst im Sechzehntel- und Achtelfinal kommen.
Kader: zwei Generationen, kein gemeinsames System
Im Sommer 2024 nach der Niederlage gegen Frankreich an der EM kündigte Vincent Kompany an, der belgische Fussball brauche zwei Jahre, um die nächste Generation zu integrieren. Die zwei Jahre sind jetzt vorbei. Was integriert wurde, lässt sich an wenigen Namen festmachen.
Zwischen den Pfosten steht Koen Casteels von Al-Qadsiah, ein verlässlicher Schlussmann ohne grosse Schwankungen. Davor in der Innenverteidigung Wout Faes und Zeno Debast, beide solide, aber ohne den Klassenunterschied, den ein Topteam braucht. Auf den Aussenpositionen Timothy Castagne rechts, Maxim De Cuyper links — ein Spieler aus der zweiten Reihe, der durch konstante Klubleistungen aufgestiegen ist.
Im Mittelfeld bildet Amadou Onana das defensive Anker. Daneben Youri Tielemans als Achter, dann Kevin De Bruyne als Spielmacher. Diese drei sind das Herzstück. Vorne agiert Romelu Lukaku als klassischer Mittelstürmer, links Jérémy Doku mit seiner unberechenbaren Dribbelstärke, rechts Leandro Trossard oder Charles De Ketelaere.
Was diesem Kader fehlt, ist ein zweiter Stürmer im Lukaku-Format. Loïs Openda hat sich in Leipzig zur Alternative entwickelt, aber sein Profil ist Konterstürmer, nicht Strafraumfixpunkt. Sollte Lukaku ausfallen — und das ist bei einem 33-Jährigen mit Verletzungshistorie keine Spinnerei —, fehlt der Mannschaft eine ganze Spieldimension. Dieses eine Risiko macht für mich Belgien zur unzuverlässigsten Mittelfeld-Kraft des Turniers.
System unter Rudi Garcia
Rudi Garcia übernahm die Nationalmannschaft im Januar 2025 nach dem holprigen Start unter Domenico Tedesco. Garcia bringt einen Profil mit, der zur belgischen Achse passt: pragmatisches 4-2-3-1, kompakte Defensive, Konter über die Flügel, freie Rolle für De Bruyne hinter dem Stürmer. Das ist keine Revolution, aber genau das, was diese Mannschaft braucht.
Im Ballbesitz spielt Belgien ein 4-2-3-1, in dem Tielemans in die letzte Linie abkippt und Onana das Sechserloch schliesst. De Bruyne steht zwischen den Linien, Doku und Trossard binden die Aussenverteidiger, Lukaku zieht ins Zentrum. Gegen den Ball kippt Belgien in ein 4-4-2, in dem De Bruyne neben Lukaku stürmt und Tielemans neben Onana einrückt.
Was Garcia bewusst aufgegeben hat, ist das Hochpressing. Belgien presst nicht mehr ab der gegnerischen Innenverteidigung, sondern erst im eigenen Drittel. Das spart Kraft im Mittelfeld, das bei diesem Durchschnittsalter zwingend notwendig ist. Es bedeutet aber auch, dass Belgien gegen ballbesitzstarke Gegner wie Spanien oder Frankreich wenig direkten Zugriff hat. Das wird in einem K.-o.-Spiel zum Problem.
Quoten auf Belgien im Detail
Für alle, die Belgien in eine Wette einbinden wollen, lohnt sich ein Blick auf die einzelnen Märkte jenseits der Sieger-Quote. Auf Sporttip lese ich folgende Werte: Gruppensieg 1.80, Achtelfinal 2.10, Viertelfinal 4.50, Halbfinal 9.00, Final 16.00, Titel 23.00. Diese sechs Zahlen ergeben zusammen ein Profil, das ich als realistisch einstufe.
Die interessanteste Wette in meinen Augen ist die Quote 4.50 auf den Viertelfinal-Einzug. Bei einer von mir geschätzten Wahrscheinlichkeit von 28 Prozent ergibt das einen knappen Value-Bereich. Wer Belgien zutraut, eine ausgeglichene Achtelfinal-Begegnung — etwa gegen Marokko, Schweden oder Mexiko — zu gewinnen, findet hier einen mathematisch fairen Einsatz.
Auf Romelu Lukaku als Top-Torschütze des Turniers steht 21.00. Das ist meiner Einschätzung nach zu niedrig. Lukaku ist ein Strafraumstürmer, der von Vorlagen lebt, und Belgien ist nicht das Team, das in jedem Spiel zwanzig Strafraumaktionen kreiert. Wer auf Lukaku setzt, setzt im Wesentlichen auf Belgien als Halbfinalist mit Lukaku als gesundem Stammspieler. Das ist eine kombinierte Wahrscheinlichkeit unter 5 Prozent — zu wenig für 21.00.
Mein Tipp für die Roten Teufel
Mein Tipp für Belgien lautet Achtelfinal-Aus. Ich erwarte einen souveränen Gruppensieg mit sieben oder neun Punkten in Gruppe G, einen klaren Sechzehntelfinal-Sieg gegen einen schwächeren Gruppendritten, und dann ein Achtelfinal gegen einen stärkeren Mittelfeldgegner — Marokko, Mexiko oder Uruguay sind realistische Lose. In diesem Spiel sehe ich Belgien als leichten Aussenseiter, weil die Defensive zu wenig Stabilität bietet.
Wer auf diesen Pfad setzen will, findet auf Sporttip Quote 2.80 auf das Achtelfinal als Endstation. Das ist fair. Wer mutiger ist und an einen Viertelfinal-Einzug glaubt, nimmt 4.50. Die Halbfinal-Quote von 9.00 würde ich nur in einer kleinen Spekulationswette nehmen, weil die strukturellen Schwächen der Defensive in einem Spiel gegen ein Topteam mit hoher Wahrscheinlichkeit aufbrechen.
Wer Belgien in Gruppe G ohnehin nur als Hintergrundbeobachtung verfolgt und sich für die spannendere Vorrundengruppe aus Schweizer Sicht interessiert, findet die Detailanalyse zu Gruppe B mit der Schweizer Nati, Kanada, Katar und Bosnien-Herzegowina in einem separaten Beitrag.
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